Elke Mölle zu „Jüngerschaft“: „Wir dürfen lernen, mit der unsichtbaren Welt des Reiches Gottes zu kooperieren.“ - Teil 2

Teil 1 (intern) // Teil 2 (extern)

Was denkst du, wenn du jetzt heute so in die Jüngerschaftslandschaft guckst, was sind die größten Hindernisse?

Ich glaube, die Hindernisse sind oft, dass Leute vielleicht sich schwer tun mit Belehrbarkeit. Zu mir kommen auch Leute, denen es richtig schlecht geht, aber die nehmen keine Hilfe an, keinen Rat an und wissen alles besser, wollen eigentlich nur, dass jemand ihnen sagt, du bist so ein armes Schätzchen.
Ein weiteres Hindernis, besonders in der neuen „Generation Z“: Da erlebe ich schon auch viel Unverbindlichkeit, weil man nicht so gerne sich festlegen möchte.

In meinem neuen Buch habe ich geschrieben, dass Jesus gar nicht daran interessiert war, möglichst viele Follower zu haben, sondern hat sogar die Latte extra hochgehängt, damit ganz viele durchs Raster fallen und sagen; „Nee, das ist mir zu viel, das ist mir zu schwer.“ Also ich glaube nicht, dass es unsere Verantwortung ist, Leute dazu zu bringen, dass sie in so eine verbindliche Beziehung reingehen. Aber ich glaube, wir sollten es anbieten.

Wie ist es aber mit verbindlichem gegenseitigen Rechenschaft-Geben, das in der Erweckungszeit von John Wesley zum Wachstum des Reiches Gottes geführt hat?

Ich würde Rechenschaft eher ersetzen mit dem Wort „ein offenes, weiches Herz haben“, wo jemand reinsprechen darf, wo ich nicht das Gefühl habe, das ist hier mein Chef. Also nicht so eine Hierarchie von oben nach unten, sondern eher Augenhöhe und wo ich einen Safe Place habe, wo ich sagen kann, hey, ich habe es verkackt. Also ich erlebe halt Gott so, dass er unendlich geduldig ist und dass es die Güte Gottes ist, die uns zur Umkehr treibt und nicht die Härte oder die Strenge oder der Frust – oder was auch immer. Wenn jemand freiwillig zu mir kommt und sagt: „Ich möchte gerne Rechenschaft ablegen“ finde ich es super, finde ich es richtig gut.
Wenn die Leute z.B. meine „Leichtigkeitsreise“ machen, dann will ich auch Rechenschaft haben. Was hast du gegessen? Klar, logisch.   

Also: Ich wünsche mir, dass wir wieder in diese Zeiten kommen, dass das für uns alle normal ist. dass wir so in der Furcht des Herrn leben miteinander. Ich glaube, dass wenn wir stärker in Erweckung reingehen, ist das auch so, dass wir sagen, hey, wir bekennen jetzt erstmal voreinander unsere Sünden. Also das ist immer für mich ein Anzeichen von Erweckung, wenn das passiert, weil das Licht so hell ist und das sieht man auch bei allen Erweckungsgeschichten, dass es so ist.

Wir hören in dem Zusammenhang immer wieder das Wort „Bejüngern“.  Aber das „Bejüngern“ von anderen ist kein schönes deutsches Wort. Vielleicht hast du da ein schöneres Wort?

Aber dieses „Machet zu Jüngern“, das lässt sich halt in Deutschland so schlecht übersetzen. Es passiert aber: Begeisterte Menschen wollen das weitergeben – und das ist dann „Zum Jünger machen“!   Beispiel: Das merke ich an den Verkaufszahlen von meinem Erfüllt-Buch. Das ist ein Dauerbrenner, das ist ja schon etwa in der vierten Auflage – das läuft weiter. Also die Leute, die es lesen, die sind begeistert, die sagen, hey, lass uns das im Hauskreis machen und schenken das weiter und so weiter. Insofern ist das ja tatsächlich auch eine Art von Bejüngerung .

Ja, dann hast du uns ja schon gesagt, dass du auch in deiner Jüngerschaft begleitet worden bist.

Ja, und immer noch werde. Das ist halt jetzt vielleicht mehr so eine Art Peer-Coaching. Wir treffen uns einmal im Monat mit Leuten von Kingdom Impact, Highway Ministries, Arise Mike und Kay Chance und ich. Wir haben so eine Art Hauskreis einmal im Monat, wo wir austauschen, beten, auch füreinander beten und so weiter. Das ist sehr, sehr kostbar für mich. Wo es auch an die Substanz geht. Also wo auch mal kritische Rückfragen gestellt werden können, wo auch mal ein Tränchen fließen darf.

Dein neues Buch: Ich habe es jetzt im Gebetshaus in Augsburg mitgenommen. Im Klappentext gibst du das Ziel an, leben zu lernen aus der unerschöpflichen Versorgung des Himmels, auszubrechen aus allen Limits. Was sind denn da für dich solche Hemmnisse?

Also das ist eben für jeden etwas anderes. Solche Basic-Sachen, die uns in Gefangenschaften halten; limitierende Glaubenssätze, wo wir einfach Hoffnungslosigkeit in unserem Leben haben. Und wo wir denken, es wird sich nie verändern.
Das ist ja letztendlich ein Hinweis darauf, dass wir eine Gedankenfestung haben und die können wir ja dann auch angehen. Aber wir sind ja nie ausgeliefert. Da ist nichts in Stein gemeißelt, da kann sich alles verändern: Durch Metanoia, Umdenken, Umkehren, wir können uns in ein neues Weltbild Schritt für Schritt hineinleben, indem wir festhalten am Wort des Vaters
Wir dürfen lernen, mit der unsichtbaren Welt des Reiches Gottes zu kooperieren und nicht nur im Sichtbaren gefangen zu sein. Wir sollten nicht darauf reduziert sein, nur mit menschlichen Möglichkeiten diese Situation zu lösen, sondern dass wir einfach den Himmel mit ins Spiel bringen und den König und seine unlimitierten Möglichkeiten.
Deswegen liebe ich das Lied auch so sehr von Timo Langner, »Ein Gott, der das Meer teilt«. Unmöglich ist keine Option.

Was hat dich im Thema Jüngerschaft am meisten überrascht?

Ich glaube, dass mich am meisten überrascht hat, dass es mehr darum geht, Sachen einzuüben und und sich dadurch in eine neue Denkweise hineinzuleben, als erst auf die neue Denkweise zu setzen: Also da habe ich ganz viele neue Schätze entdeckt. Dass es so wichtig ist, neue Gewohnheiten in kleinen Schritten einzuüben –  und das auch im geistlichen Bereich. Da funktioniert es genauso, weil Gott uns so konstruiert hat, dass wir neue Gewohnheiten uns einüben können –  in 66 Tagen mit kleinen Schritten und dann wird etwas wie auch umgeschrieben im Gehirn. Und so passiert Wachstum.
Und da habe ich auch sehr von John Mark Comer profitiert, der auch immer so drauf besteht, dass es mehr ums Einüben geht, als um Selbstdisziplin oder Kraftakte, die wir irgendwie vollbringen: Die neue Denkweise passiert durch die neuen Schritte, die wir tun. Und so ähnlich haben wir ja auch letztendlich alles eingeübt im Leben. Zähneputzen, wie lange hat das gedauert, bis meine Kinder sich die Zähne geputzt haben, ohne dass sie daran erinnern mussten. Und das ist aber jetzt drin, also das vergessen sie jetzt nimmer. Ich auch nicht. Es hat mich am meisten überrascht, dass es eigentlich nicht so schwierig ist und es ist gar nicht so sehr meine Willenskraft, meine Selbstdisziplin ist, sondern die kleinen Schritte, die neue Gewohnheiten einzutrainieren.

Gehört das für dich auch dazu, sich mit dem Leben immer wieder in die Gegenwart Gottes hinein zu begeben?

Also genau, das ist das Zentrum, das ist 100 Prozent, das ist das Allerwichtigste, genau das, das einzuüben, Gottes Gegenwart einzuüben. Und das ist der Schlüssel für alles andere. Johannes 15: Rebe und Weinstock bleiben in Jesus – und die Frucht kommt automatisch dazu.
Und deswegen empfinde ich das alles eigentlich auch so leicht, weil es nicht auf meinen Schultern liegt, sondern auf seinen. Und ich klinke mich einfach ein und ich bleibe nah bei ihm. Ich schaue, dass ich verbunden bin, dass ich diese Gegenwart Gottes… einübe, dass ich mich da drin bewege die ganze Zeit und nie mehr allein bin. Und das bringt eine wahnsinnige Veränderung. Ja, ja, ja.

An welchem Projekt bist du gerade dran? Dürfen wir fragen, in welche Herausforderungen du stehst?- Wofür wir auch beten können? Wird es das Buch „Leichtigkeitsreise“ über das Schlankwerden sein?

Das ist jetzt noch nicht dran. Dieses Jahr schreibe ich ein Andachtsbuch über „Erfüllt“. Für jeden der 365 Tage. Ich habe festgestellt, dass es doch relativ viele Seiten sind, die man füllen muss. Aber ich habe ja noch ein bisschen Zeit.
Auch in der Familie gibt es Herausforderungen [Elke hat uns genannt, was ihre Seele gerade sehr bewegt]. Da ist es gut, wenn Ihr auch für mich mit eintretet. Danke für eure Gebete.