Neun Fragen an Leihväter

Jens Spahn, Fraktionschef der CDU, ist durch die Dienstleistung einer Frau ein Leihvater geworden, zusammen mit seinem Gatten Paul Zubeil. Diese Nachricht eilte am 15.7.2026 durch einige Medien. Der Begriff „Leihvater“ ist ungewöhnlich, aber konsequent: Denn wem „gehört“ denn ein Kind? Traditionellerweise den biologischen Eltern, wozu eine Frau gehört, die ihre Eizelle spendet und eine (vielleicht dieselbe) Frau, die es neun Monate im Leib trägt. Alle anderen Adoptierenden bekommen es dann… geliehen.

Offene Fragen zum Nachdenken und zur Diskussion

  1. Wie geht es einer Frau während der Schwangerschaft mit starken Hormongaben und starken persönlichen Einschränkungen, wenn sie ein Kind zur Welt bringen muss, dass sie dann wegzugeben hat?
  2. Wie geht es der Seele einer Frau, die plötzlich das Wesen, mit dem sie (vermutlich sogar epigenetisch) aufs Engste verbunden ist, nach der Abgabe des Kindes … bis in ihre Zukunft und ihr Alter hinein?
  3. Wie geht es einem Kind, dass vielleicht nicht einmal einen „Welpenschutz“ hat, von seinem Leben entrissen wird? Von der Mutter, deren Geruch, Herzschlag und Inneres mit ihm so verbunden war? Dem Kind, das in dem Moment der Geburt keine andere Bezugsperson als die Mutter hat?
  4. Wie wird es dem Kind im späteren Leben gehen, wenn es ohne seine (genetische und/oder austragende) Mutter auskommen muss?
  5. Was ist mit all den befruchteten Eizellen passiert, die der Frau nicht eingepflanzt wurden?
  6. Kauft man wirklich nur eine Dienstleistung, oder kauft man ein Kind? Die EU fasst Leihmutterschaft in Dokumenten als Menschenhandel auf.
  7. Welche Gefühle und welche Loyalität hat man gegenüber einem Staat, in dem Leihmutterschaft und Eizellenverpflanzung verboten sind? Traut man den eigenen Gesetzen keine Weisheit zu? Ist es korrekt, sich im Ausland mit dem zu bedienen, das im Inland eine Straftat wäre?
  8. Wie viele Paare in Deutschland können sich so eine Dienstleistung leisten?
  9. Wird hier nicht eine soziale Schere bedient: Vermögende werden von Unvermögenden, die Geld brauchen, bedient?

Zum Weiterdenken

(1) Diese Fragen entspringen hauptsächlich zweier Quellen, die mich als Pastor sehr bewegen: Dem Buch „Ich kauf mir ein Kind“ von Birgit Kelle (2024) und dem „Kongress gegen Leihmutterschaft“ (2026) in Berlin. HIER ist eine Seite von 250 düsteren Seiten dieses Buches zu finden, die einen winzigen Spalt in das Leben der Mietmütter blicken läßt.

(2) In den Sozialen Grundsätzen unserer Kirche wird Reproduktionsmedizin nicht ausgeschlossen. Aber es heißt dort zu diesem Thema:
In jedem Fall sollte die Anwendung von reproduktiven Alternativen im Einklang mit den höchsten ethischen Standards stehen, und Gesundheit und Wohlbefinden von Frauen und Kindern sollten die höchste Priorität haben.
Ist diese Priorität im Falle der Ersatzmutterschaft gegeben?

(3) Weiterführende Infos sind HIER zu finden.

Bericht über eine Ukrainierin aus dem oben beschriebenen Buch S.250